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Lange Nacht der Kirchen am 2. Oktober 2009:


Paulus in St. Stephan -
ein Plädoyer für Freiheit, Hoffnung, Freude



In klassischem Griechisch trug Paulus seine Areopagrede am Stephansplatz vor, in der er begeistert zur Verankerung des Lebens im Glauben an den Gott der Freiheit, der Hoffnung, der Freude und des nicht endenden Lebens aufruft, in Frage gestellt von zwei geschickt in Szene gesetzten Philosophen, und unterstützt für die erfreulich zahlreichen Besucher durch zwei Dolmetscher.







Nach diesem "Vorspiel" zog Paulus nun der Menge voran in die Kirche von St. Stephan, wo er - jetzt auf Deutsch - Abschnitte aus seinen Briefen als Kommentar, Ermunterung, Quintessenz, Untermauerung  bot,  zur   Auseinanderset-
zung mit Zitaten und Bekenntnissen aus Literatur und Zeitgeschichte. Zielrichtung: Was ist Freiheit? Wie finde ich sie? Worin gipfelt sie?



Hier einige Ausschnitte:.









Dietrich Bonhoeffer, Stationen auf dem Wege zur Freiheit

Zucht – Tat - Leiden – Tod

Zucht

Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem
Zucht der Sinne und deiner Seele, dass die Begierden
und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen.
Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen
und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist.
Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat


Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.

Leiden

Wunderbare Verwandlung. Die starken, tätigen Hände
sind dir gebunden. Ohnmächtig, einsam siehst du das Ende
deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte
still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden
. Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit,
dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod

Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
dass wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.


Aus dem Römerbrief im 8. Kapitel

31b Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?
32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
33 Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht.
34 Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.
35 Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
36 In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.
37 Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.
38 Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten
39 der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.




"Ich habe nichts - ich bin wieder frei."

Alexander Solschenizyn

(Der Minister Abakumow:)
"Hören Sie, Sie sind ein Gefangener. ... Wenn nötig, werden wir Sie zwingen." "Sie irren sich, Bürger Minister!« Bobynins kräftige Augen leuchteten zornerfüllt auf. Ich habe nichts, denken Sie daran - überhaupt nichts! Meine Frau und mein Kind sind für Sie unerreichbar - eine Bombe hat sie zerschlagen. ..Meine Eltern sind auch schon tot. Mein Eigentum hier auf Erden ist mein Taschentuch; meine Kombination und die Unterwäsche ohne Knöpfe sind Staatseigentum. Die Freiheit habt ihr mir schon lange weggenommen, sie mir zurückzugeben, steht nicht in euren Kräften, weil ihr selbst nicht frei seid. Ich bin zweiundvierzig Jahre alt, ihr habt mir fünfundzwanzig Jahre aufgebrummt, bei der Zwangsarbeit bin ich schon gewesen, mit einer Nummer herumgelaufen, in Handschellen, von Polizeihunden bewacht und in einer Brigade für verschärfte Zwangsarbeit - womit können Sie mir noch drohen? Was können Sie mir noch wegnehmen? Die Ingenieurarbeit? Damit verliert ihr mehr. (So, und jetzt werde ich rauchen. ..)
Überhaupt, verstehen Sie und geben Sie es dort oben an die weiter, die es nötig haben, daß sie nur so lange mächtig sind, wie sie den Menschen nicht alles weggenommen haben. Denn ein Mensch, dem sie alles weggenommen haben, ist außerhalb ihres Machtbereichs, er ist wieder frei."

Aus dem Philipperbrief im 4. Kapitel

11b Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden:
12 Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung.
13 Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.





Herz, nimm Abschied

Hermann Hesse, Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!


Aus dem Römerbrief, Kapitel 8

18 Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
19 Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
20 Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
21 Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
23 Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.
24 Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?





Friedrich Nietzsche, Aus den Liedern des Prinzen Vogelfrei

Nach neuen Meeren

Dorthin - will ich; und traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, ins Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.

Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit-:
Nur dein Auge – ungeheuer
Blickt michs an, Unendlichkeit!

Aus dem Philipperbrief im 3. Kapitel

14 Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.
15 Das wollen wir bedenken, wir Vollkommenen. Und wenn ihr anders über etwas denkt, wird Gott euch auch das offenbaren.
16 Nur müssen wir festhalten, was wir erreicht haben.
17 Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt.
18 Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi.
19 Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
20 Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter,
21 der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.




Lied mit Videoeinspielung

Marius Müller-Westernhagen, Freiheit

Die Verträge sind gemacht
und es wurde viel gelacht
und was Süßes zum Dessert
Freiheit, Freiheit
Die Kapelle rum ta-ta
und der Papst war auch schon da
und mein Nachbar vorneweg

Freiheit, Freiheit
ist die einzige die fehlt
Freiheit, Freiheit
ist die einzige die fehlt
Der Mensch ist leider nicht naiv
Der Mensch ist leider primitiv

Freiheit, Freiheit
wurde wieder abgestellt

Alle die von Freiheit träumen
sollen' s feiern nicht versäumen
sollen tanzen auch auf Gräbern

Freiheit, Freiheit
ist das einzige was zählt
Freiheit, Freiheit
ist das einzige was zählt





Idee und Regie:   OStRin Anja Reichelt und Abt Theodor Hausmann
Ausführende:       Grundkurs dramatisches Gestalten am Gymnasium bei St. Stephan

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Letzte Änderung dieser Seite:
08.10.2009 08:42:03 Uhr

 
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