(ulos). Aufschlussreich ist es allemal, das gleiche Werk an einem Wochenende zweimal mitzuverfolgen: Spielte das Orchester St. Stephan, gestützt vom Münchner Rundfunkorchester, verstärkt von Maria Stern sowie "Max Reger" aus Amberg, in der großen Münchner Philharmonie Dvoraks 8. Sinfonie unter nahezu professionellem Zuschnitt, so war man tagsdarauf in der Augsburger Kongresshalle unter sich, das Publikum eine Hausmacht, und Pater Anselm Mayer der vertraute Leiter, der sein Orchester in- und auswendig kennt.
Das hatte Vorteile: Mayer stimmt das Riesenopus gezielt auf seine Orchesterjugend ab, wählt die Tempi nicht atemberaubend, so dass Klanggestaltung und Gesanglichkeit Priorität hatten, reißt nicht vehement die Bandbreite zwischen der Explosivkraft der Ecksätze und dem lyrisch besänftigten Binnenleben der Sinfoniemitte auf, treibt die Kontrastwirkungen nicht auf die Spitze, sondern beschreitet jugendgemäß den sinfonischen Weg. Bekanntlich wächst man an seinen Aufgaben - das Orchester trat aus dem "Münchener Windschatten", entwickelte Eigenleben. Jugendliche Frische, Feuereifer standen Dvorak bestens zu Gesicht. |
Die beschwingten Streicher, die aufblühenden Holzbläser, das nahezu sattelfeste Blech, die elastisch geschlagene Pauke hatten zwar nicht das philharmonische Brio wie unter Marcello Viotti, fügten sich jedoch zu beredtem Klangbild [...] - eine couragierte, in sich schlüssige Interpretation, der Funke sprang über. [...] Drei Solisten setzten einen Kontrapunkt: Sebastian Hägele ließ lyrisch pointiert mit zwei Sätzen aus Vanhals Fagott-Konzert, ohne der Dimension der Kongresshalle immer Rechnung zu tragen. Marina Baldyreva meisterte den 1. Satz aus dem Mozart-Klavierkonzert B-Dur KV595, konnte sich jedoch in diesem Rahmen noch nicht impulsiv frei spielen. Benedikt Lika entfachte dagegen in der Tscherepnin-Sonatina für Pauken und Orchester den richtigen Wirbel und zeigte Gespür für den frei ausschwingenden Paukenton. "Strangers in the night" gab es als Zugabe - auch Dvorak war in der neuen Welt.
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