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Sonnenfinsternis am 11. August 1999
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"Künde mir, Muse, vom Tag, da Helios´ prächtiger Lichtglanz
mitten am Tage geraubt vom keck sich erdreistenden Monde.
Früh schon entdeckt war der Plan von den weit ausspähenden Sehern,
Astronomen genannt, mit sekunden- genauem Countdown. Doch:
Wolken in Fülle herbei schob Zeus, der Vater der Götter,
wohl zu verschleiern die Tat. Doch Athene, fühlsam erbarmend,
konnte bewegen Poseidon, kraftvoll mit blähenden Nüstern
freizuschaufeln den Himmel in Stephans Gärten zu Augsburg,
wo die Getreuen unbeugsamer Hoffnung harrten des Schauspiels,
wohlbebrillt allesamt, zu verfolgen den kosmischen Raubzug ..."
So weit Homer zum 11. August 1999.
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Es war in der Tat wie im Krimi: Wird das Jahrhundertereignis bei uns zu sehen sein? Bei dem Wetterbericht? Dem Raum Augsburg westlich des Lechs und südlich der Autobahn war das große Glück hold, das wetterberichtsgläubige Stuttgart- und Saarbrücken-Fans an sich zu reißen versucht hatten - ein Beweis mehr, dass der Einzelfall über jede Wahrscheinlichkeit erhaben ist.
Der Verfasser selbst (nicht des Krimis oder Wetterberichts, sondern dieser Zeilen) sagte noch am Vortag zu einem seiner Schüler, der mit Begeisterung half, alle Vorbereitungen zu treffen: "Was soll´s, der Wetterbericht ist zwar vernichtend, aber es gibt ja in unseren Breiten als Joker immer noch den Föhn", auf den z.B. auch P.Egino regelmäßig mit bestem Erfolg bei der Festlegung des Termins für den Wandertag baut; und ich erzählte ihm auch von Donald Ducks gelungenem Wolkenbohrer aus einem Micky-Maus-Heftchen meiner Kindheit.
Es gab keinen Föhn - aber eben das, was Homer in seiner So`Fi`ssee eingangs beschrieben: Athene verhalf zum Wolkenloch. Oder war es die hl. Klara, die an eben ihrem Festtag, dem 11. August, für klaren Himmel sorgte?
Es stand auch viel auf dem Spiel: Nicht nur, dass im Wahlkurs "Natur und Technik" 250 erstklassige Folienbrillen gefertigt worden waren (bereits am Schulfest zum Benediktsfest waren die ersten 150 im Nu ausverkauft; siehe Abbildung!); nicht nur, dass alles Zubehör für Film und Foto in die Sternwarte geschleift, Modelle herangeschafft und - am Vortag noch vom schon genannten Sechstklässler Benedikt - für den Schriftzug "Sternwarte St.Stephan" 256 Löcher in einen Karton gestanzt worden waren, um als 256-äugige Lochkamera zu dienen (Ergebnis siehe Abbildung); nicht nur alles das - es vertrauten natürlich auch viele Schüler, Eltern, Altstephaner und Kollegen auf einen guten Draht des Klosters zum Himmel; auch die Presse hatte sich angesagt, und der Leiter des Augsburger Planetariums hatte gar eine kleine Delegation aus Osaka, Moskau und New York überzeugen können, dass Augsburg und unsere Sternwarte der richtige Ort für dieses Ereignis seien.
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Nun ja - am Morgen strahlender Sonnenschein. Eitel Freude und Wonne! 10.30 Uhr: Regenschauer. Dach der Sternwarte wieder schließen. 10.35 Uhr wieder auf. 10.50 Uhr Dach zu. Erneut Regen. Wieder auf. 11.15 Uhr - Beginn der partiellen Phase - : dichte Wolken. Dann immer wieder Lichtblicke. Eifriges Fotographieren und Videofilmen. Immer mehr Leute kommen; es wird eng in der Sternwarte; aber der Klostergarten ist groß; unter Apfelbäumen fröhliches Scherzen über die Launen des Wetters. Brille auf, Brille ab. Wolkenvorhang zu, wieder auf. Die Sonne macht sich als schmale Sichel sehr hübsch. Komisch, dass da Stifter und die alle so enthusiastisch gefühlsbetont reagiert haben - aber das Eigentliche soll ja erst noch kommen. Wolken! Jetzt wird´s ernst. Doch da - im Westen: Blau! "Das könnte reichen!" Es hat gereicht: 20 Minuten klarer Himmel von Horizont zu Horizont! Kaum zu fassen! Jetzt: fahles Licht; schmalste Sichel auf Monitor, Projektionsschirm und im nur foliengetrennten Original. Es wird still. Spannung. Fahles Dunkel. Für 5 Sekunden sogar "fliegende Schatten" auf dem Teppichboden der Sternwarte - die Kamera kommt zu spät. Schnell, Filter weg! Einen, zwei, alle? Es wird kühl. Leichte Gänsehaut. Nicht nur wegen der Kühle. Da: "Aahh! Uuii!". Klatschen. Das also ist es - unglaublich! Tatsächlich so fantastisch, wie sie alle gesagt haben - nur viel schöner! "Links unterhalb die Venus, rechts oben der Merkur!" "Gigantisch!"
Fixsterne sind nicht zu sehen; es ist nicht völlig nacht, aber für den Fotoapparat bin ich froh um die bereitgelegte Taschenlampe. Die Korona ist prachtvoll, rundum, riesig, heller als erwartet. (Später wird man wieder nüchtern systematisierend von "typischer Maximumskorona" sprechen). Protuberanzen schießen rot über die tiefschwarze Mondscheibe hinaus. Alle Belichtungszeiten durchgespult? Die Kamera sieht ja nicht wie das Auge alles auf einmal und doch zugleich alles schön getrennt. Hoffentlich ist alles scharf! Keine Zeit mehr zum Korrigieren; die markierte Einstellung vom Sonntag vorher muss reichen! (Sie reichte; siehe Abbildungen - Glück gehabt!) Wieder ein staunender Blick zu dem festlich umflorten dunklen Punkt am fast schwarzen Himmel. Irgend jemand schreit "Achtung! Sie kommt!". Die Sonne. Schnell Brille auf (und alle Filter wieder dran)! Mit einem Schlag ist es hell. Was, sollen das zwei Minuten gewesen sein?? Ohne Gebanntsein schweift der Blick wieder umher. "Da, schau, im Norden!" Eine gigantische Gewitterwolke, weiß aufgebaut, angestrahlt über tiefschwarzer Basis. Beeindruckend. Fünf Minuten sollten noch bleiben für die zunehmende Sonnensichel. Dann: hastig das Sternwartendach zu. Alles rennt. Regen prasselt nieder. Blitz und Donner. Hatte die Bildzeitung nicht den Weltuntergang prophezeit? Zeit, den eben entstandenen Videofilm zurückzuspulen. "Aahh, uuiii! Herrlich, tatsächlich!" Und scheinbar länger. Und nochmal. Und doch schon: Erinnerung. Ein Schüler: "Ich kann nur sagen: Es war - einfach - einfach - einfach "waw"!
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"Sprachlos standen sie da - mehr stammelnd als Worte gebärend;
wo doch alles ganz cool entzaubert, berechnet seit langem.
Wahres Erleben berührt. Habt Dank, ihr olympischen Götter!"
(Homer, So`Fi`ssee, Schluss)
Eine Frage bleibt immer noch offen:
Was hat der hl. Benedikt auf dem Titelbild dieser Stephania mit der Sonnenfinsternis zu tun? Antwort: Eigentlich nichts! Denn die Zitate aus den Dialogen des hl. Gregor als Bild-"Vorlage" sind eindeutig: "Mitternacht; ... die ganze Welt in einem einzigen Sonnenstrahl ...". Und doch: Der Maler stellt auf diesem Bild, das im Treppenhaus unseres Klosters hängt, schier unbezweifelbar eine Sonnenfinsternis dar.
Herr Dr. Karl-August Keil (ehemals Lehrer bei St.Anna und Leiter der dortigen Sternwarte) ist in seinem gerade für Augsburger sehr bemerkenswerten, umfassend recherchierten Artikel "Zur Geschichte der Sonnenfinsternisse" (in: Totale Sonnenfinsternis 11. August 1999, Hrsg. Martin Birkmaier, Augsburg 1999) auch auf diese Frage eingegangen und gibt anhand von noch zwei anderen, unserem Titelbild sehr ähnelnden Darstellungen der `Kosmischen Vision des hl. Benedikt´ (Originale in Weltenburg und Oberschönenfeld) eine sehr plausible Erklärung: Die Gemälde stammen alle aus der Hand süddeutscher Maler aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Und 1706 gab es in Süddeutschland (auch in Augsburg!) eine totale Sonnenfinsternis! Der Schluss liegt also nahe. Der Verfasser kann es bestätigen:
"Wahres Erleben berührt. - Wirkt nach. - Spannt Bögen zum Urgrund."
(Homer, So`Fi`ssee, Schluss, Handschrift B)
P. Gregor Helms OSB
Letzte Änderung dieser Seite: 04.10.2002 18:30:35 Uhr
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