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CENODOXUS: EIN VOLLER ERFOLG!



Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt:

Selbstverliebter Moderator
auf dem Laufsteg der Eitelkeiten

Stephaner holen überzeugend den "Cenodoxus" ins Heute

      (loi). "Ich bin ein Idol. Alle begehren mich."
Wer so von sich selber spricht, muss ziemlich verblendet sein. Cenodoxus, Moderator einer TV-Show der Nächstenliebe, wird erst auf der Totenbahre erkennen, wie es um ihn steht. Erfrischend modern und kreativ bringen die Stephaner das Barockdrama des Jakob Bidermann auf die Bühne.


      Die Tragödie einer Desillusionierung spielt auf einem riesigen Laufsteg mit einem Spiegel als Zielpunkt. Hier umgibt sich der Gefeierte mit der Selbstliebe und mit Hohepriestern des Medienerfolgs, dem einpeitschenden Motivator und zwei berechnenden Quotenjägern, denen Schicksale nebensächlich sind. Den Cenodoxus umschwärmen auch die Motten, sei es der schmeichlerische Schmarotzer oder das er- gebene Faktotum, die sich mit fiesen Methoden gegenseitig ausschalten wollen.
   Als weitere destruktive Kräfte wirken die personifizierte Heuchelei und "Alleskönner",
beide diabolisch-aggressiv in Rot und Schwarz gekleidet. Dramaturgisch geschickt agieren die allegorischen Figuren als hasserfüllte Schwester und Jugendfreund des Cenodoxus. Mit seiner Geltungssucht wollen sie ihn überfüttern und fertig machen. Ihre Gegenspieler Gewissen und Wächter drücken sich steif als Anstandshüter an die Saalwände. Sie führen stille Regie im Prozess der Selbsterkenntnis, indem sie den eitlen Medienmann mit seinen eigenen Mitteln schlagen, nämlich einer gnadenlosen Presse.
      Rundum überzeugend übersetzt der Grund- kurs Dramatisches Gestalten des St. Stephan-Gymnasiums (Leitung Matthias Ferber) das barocke Welttheater in eine temporeiche Szenen- folge der Jetztzeit. Treffend analysieren die Kollegiaten die Funktionsweise der Medien- branche. Große schauspielerische Talente in der Gruppe reißen die Zuschauer von Anfang an mit. Das sprachliche Niveau beeindruckt.




Darf man das denn?
Einen erhabenen, klassischen Text so zertrümmern und umbauen?

Man muss es tun!

Denn es ist Wesen des Theaters, Texte für eine immer neue Gegenwart immer neu zu "synchronisieren"!







Omnis enim dignitas - mera est inanitas.
Bewund'rung, Anseh'n, Ruhm verpufft - viel schneller noch als heiße Luft.

Heri plenus honoribus, - cras erit esca vermibus.
Noch gestern Presse, Funk, Palaver - schon morgen bist du ein Kadaver.

Cras infestabit vipera - quem nunc honestat purpura.
Schon morgen voller Leichenflecken - sind die, die jetzt in Gala stecken.

Nulla cavet prudentia - mortis stratagemata.
Der Tod, soviel du machst und schwitzt, - zuletzt am längern Hebel sitzt.

Nulla fallit solertia - astutae mortis spicula.
Probier's mit Tricks und krummen Sachen - er holt dich doch, du kannst nichts machen.


Das 175-jährige Bestehen unseres Gymnasiums ist ein passender Anlass zur Wiederentdeckung des "Cenodoxus". Der Autor, der Augsburger Jesuitenmönch Jacob Bidermann, verfasste dieses Barockdrama in lateinischer Sprache vor genau 400 Jahren: Seine Uraufführung ging am 2. Juli 1602 unter großem Eindruck über die Bühne des Augsburger Jesuitengymnasiums und führte mit seiner klaren Warnung vor verderblicher Hingabe an die Welt zu einer ganzen Welle von Bekehrungen.
Die erzieherische Kraft, die unser "Amtsvorgänger" Bidermann als Rhetorik- und Theaterlehrer in seiner Zeit noch einplanen konnte, wird das Stück wohl nicht mehr entfalten. Modern und zeitlos ist aber die Frage des erfolgsverwöhnten und ruhmsüchtigen Menschen, des rein auf Außenwirkung und Augenwischerei ausgerichteten Gemütskümmerlings: Im Zeitalter von Container-WG und "Superstar"-Marathon gieren wir mehr denn je nach Berühmtheit, und sei es nur für nichtige 15 Minuten, wie Andy Warhol schon 1968 prophezeite. Ob Warhol gewusst hat, dass er damit eigentlich nur die barocke Idee von der vertändelten Lebenszeit um den Preis einer verspielten Ewigkeit potenziert hat?

von links: Fanny Knechtel, Katharina Koch, Florian Bettinger, Nico Seebauer, Claudia Plöckl, Maximilian Jörg, Saskia Lackner, Andreas Lutzenberger, Marina Boldyreva, Roman Graf, Andreas Koch, Teresa Linner, Benjamin Seiler, Johannes Rahlf, Peter Lika, Thorsten Häußler
Vita enim hominum nil est nisi somnium.
Nichts ist unser Menschenleben als ein Traum, ein Trugbild eben!

Letzte Änderung dieser Seite:
23.05.2003 16:26:05 Uhr

 
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