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Drachenthron - Teil 2
20 neue Bilder von Drachenthron und ein weiterer Artikel.
DRACHENTHRON
Eine chinesische Legende
Drama von Albrecht Haushofer in zwölf "Verwandlungen"
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Vom 23.-25.3.2004 zeigte der Grundkurs Dramatisches Gestalten Albrecht Haushofers „Chinesische Legende“
„Ich habe Hunger!“ So lautet der erste Satz der Inszenierung von Albrecht Haushofers „Chinesischer Legende“ durch den Grundkurs Dramatisches Gestalten. Drei Wörter, in denen sich das gesamte Stück spiegelt, drei Wörter, die Programm sind. Aus ihnen ergibt und entwickelt sich das Drama, sie machen dem Zuschauer deutlich, was er in diesem Stück zu erwarten hat: Das absolute Elend der Bevölkerung und die Macht- und Geldgier am Kaiserhof, die mit Korruption und Willkür einhergeht.
Das dramaturgische und lyrische Schaffen Haushofers, der seine „Chinesische Legende“ im Jahre 1940 verfasste, stand stets im Zeichen des Widerstandes gegen das NS- Regime. Der Politgeograph, der zu Beginn durchaus mit den Nationalsozialisten sympathisierte, änderte angesichts deren augenscheinlicher Ziele seine Meinung und übte zunächst in einigen antiken Stücken, die allesamt von römischen Diktaturen handeln („Scipio“ 1934, „Sulla“ 1938 und „Augustus“ 1938), in den 30er Jahren Kritik am Regime. Später stellte sich Haushofer auch öffentlich immer stärker gegen die Dikatatur Hitlers und wird heute als einer der einflussreichsten Hintermänner des Widerstandes angesehen. Nach einer ersten, mehrwöchigen Inhaftierung wurde er in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1945 ohne Gerichtsverhandlung exekutiert.
Infolge der Erkenntnis um die menschenverachtenden Ziele der Nationalsozialisten konnten seine Werke davon nicht unbeeinflusst bleiben. Die „ChinesischeLegende“ hat also, wie so viele seiner Dramen, ein durch Diktatur gepeinigtes Land als Schauplatz, das lediglich zu Zwecken der Verfremdung in einen anderen, asiatischen Kulturkreis verlegt wurde. Dieses Land wird von einem gottgleichen Machthaber regiert, der sich jeglicher Verantwortung gegenüber seinem Volk entledigt hat und in Größenwahn und nahezu fanatischer Verträumtheit befindet. Zudem können mahnende Stimmen kaum zu ihm vordringen, da sie entweder an sich selber (Censor) oder an den kaiserlichen Hofschranzen scheitern (junges Mädchen). Doch die Diktatur richtet sich – trotz des gescheiterten Widerstandes – am Ende des Stückes durch ihr rüchsichtsloses und letztlich auch selbstzerstörerisches Verhalten, dem Markenzeichen aller Dikataturen, selbst zugrunde, aber einen positiven Ausgang enthält Haushofer seinem Drama dennoch vor: Mit der Machtübernahme des Großkhans der Mongolen entsteht nach dem Selbstmord des Kaiser und dem Tod seiner Speichellecker aus dem Blut der alten Diktatur eine neue, die zwar für die Bevölkerung angenehmer zu ertragen ist, sie aber dennoch auf Gedeih und Verderb einer Einzelperson ausliefert – mit all ihrer Willkür. So ist das gesamte Stück von einem beklemmenden Bedeutungshintergrund gezeichnet, den der Grundkurs Dramatisches Gestalten aber dennoch, trotz der schwierigen, in Blankversen gehaltenen Haushoferschen Textvorlage, in seiner ganzen Tiefe erhalten konnte und ihn zudem ebenso zu einer Warnung für unsere heutige Zeit machte.
Auf diese Weise wurde der Besucher nicht mit einem pompös anmutenden Bühnenbild umgarnt, sondern mit einer spartanischen Einöde aus schwarzer Kahlheit konfrontiert. Haushofers Szenenvorgaben, die die technischen und personellen Möglichkeiten einer Schulbühne weit überschreiten, wurden diesbezüglich vom Grundkurs unter der Leitung von Matthias Ferber auf ihr eigentliches Wesen abstrahiert und ganz in den Dienst des Stückes gestellt. Nur einige Figuren durchbrachen die schwarze Farbkomposition der Bühne, wie beispielsweise der Traum, die ganz in weiß gekleidete Personifikation der inneren Stimme der handelnden Figuren, oder auch sämtliche in die höfischen Intrigen verwickelten Personen, die in einem grellen Kostüm zur Bühne kontrastierten. Doch sie alle waren umgeben von der alles verschlingenden Finsternis des Szenariums, dessen Mitte ein nach vier Seiten zu öffnender Kubus bildete. Dieser Würfel war das einzige veränderbare Element der Bühne, er fungierte als Schiff, Thron, Wirtshaus, Berg oder Lazarett. Auf diese Weise blieb die Inszenierung durch die Gestaltung des Bühnenbildes dem einleitenden Satz des Stückes auf eindrucksvolle Weise treu und ließ dem Ensemble Raum, die jeweiligen Figuren durch entsprechendes Spiel im Sinne von Haushofers anklagendem und zum Widerstand aufrufenden Drama auszufüllen.
Und diese Möglichkeiten wurden genutzt. Nicht nur durch Farbgebung und Textbeschaffenheit, sondern vor allem auch durch eine herausragende schauspielerische Leistung gelang es dem Ensemble, die handelnden Personen zueinander und auch zum Bühnenbild in beeindruckende Gegensätze und unaufdringliche Klarheit zu stellen. Die Darsteller schafften den Drahtseilakt zwischen der Übermittlung der jeweiligen Charaktere und dem für ein gelungenes Schauspiel unabdingbaren Interpretationsfreiraum für den Zuschauer.
So entstand eine Inszenierung, die in ihrer Schonungslosigkeit nahezu alle Zuschauer begeistern konnte, aber durch einige Elemente auch für Befremdung sorgte. Besonders die ungewöhnliche, wenn auch durch ein aus Trompete, Posaune und Tuba bestehendes Bläsertrio hervorragend präsentierte Musik polarisierte das Publikum. Die einen waren von den modernen Klanggebilden hellauf begeistert, die anderen standen ihnen mit Ablehnung gegenüber. Wie jedoch soll man ein durch Elend, Korruption und Willkür zerfressenes und in einem aussichtslosen Krieg befindliches Land in klassische Harmonielehre zwingen? Nur durch stärkste Dissonanzen war es möglich, eine zum Stück passende Klangkomposition zu entwickeln. Auch die durch ihre Wirkung auf das Unterbewusstsein des Zuschauers enorm wichtige Bühnenbeleuchtung wurde ausgezeichnet auf die einzelnen Szenen abgestimmt. Das Publikum wurde also durch die ständige Präsenz der Bühnensymbolik auch bei Umbauszenen, die bei offenem Vorhang stattfanden, dem Stück mit all seiner Härte ausgesetzt.
Die Lehre des Stückes wurde durch die starke Abstraktion also nicht verwässert, sondern lediglich mit dem einem Tropfen von der zeit- und gesellschaftskritischen Essenz versehen, die bewegendes Theater heute ausmacht. Der Zuschauer hatte nicht das Gefühl, eine kulturell völlig fremde Welt zu betreten, sondern musste als Mitglied jener Gesellschaft in sein eigenes Spiegelbild blicken – eine Aufgabe, die herausfordert und es auf jeden Fall lohnend macht, ihr einen weiteren Selbsterfahrungstrip im nächsten Jahr hinzuzufügen.










Den ersten Artikel zu DRACHENTHRON finden Sie hier.
Die Einladung zu DRACHENTHRON finden Sie hier.
Letzte Änderung dieser Seite: 08.07.2005 22:22:36 Uhr
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