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Drachenthron

Der Oberstufenkurs K12/K13 Dramatisches Gestalten steht vor seiner diesjährigen Theater- produktion und lädt alle Freunde des Theaters, des Spiels, der Verwandlung und des Gedankenreisens dazu ein.


Ein junges Mädchen sucht
  den Strom der Liebe.
Ein korrupter Minister sucht
  seinen Vorteil.
Ein kluger Diplomat sucht
  einen Ausweg.

Sie alle stehen vor dem
  schwankenden DRACHENTHRON,
dem bedrohten Sitz des
  chinesischen Gottkaisers.

Ein Drama über den
Traum von der Macht
und die Macht der Träume



Dienstag, 23. März 2004, 19.30 Uhr
Mittwoch, 24. März 2004, 19.30 Uhr
Donnerstag, 25. März 2004, 19.30 Uhr

DRACHENTHRON
Eine chinesische Legende

Drama von Albrecht Haushofer
in zwölf "Verwandlungen"

Albrecht Haushofer, 1903 geboren (100. Geburtstag) war von Beruf "politischer Geograph" und begrüßte zunächst das Hitlerregime. Als er spürte, dass die Nationalsozialisten eine reine Diktatur aufrichteten, fand er rasch und beherzt zum Widerstand. Seine Weltgewandheit und Bildung ermöglichten ihm viele Formen der Opposition. Neben Mitwirkung in Widerstandsgruppen und Kontakten ins Ausland fand Haushofer auch zum Schreiben als Form des Widerspruchs.
Sein Drama "Chinesische Legende" - von uns um den Titel "Drachenthron" erweitert - erzählt die Geschichte eines chinesischen Kaisers, des Herrschers auf dem Drachenthron, der umringt von einer intriganten und korrupten Hofclique und verdorben von unstillbaren Lüsten jeden Kontakt zu seinem Volk und seinem Land verloren hat. Wohlgesonnene Menschen - ein weiser Mönch und ein unscheinbares Mädchen - machen sich auf, das Reich zu retten, doch dem Einfall der feindlichen Mongolen hat das von oben geschwächte Land nichts entgegenzusetzen. Haushofers Drama weist aber einen Ausweg auf: Macht und Herrschaft setzen sich fort, nur eben nicht so, wie es sich die scheinbar Mächtigen ausmalen…
Dieses - an Anspielungen auf die NS-Herrschaft reiche - Drama verflicht sich aufs Engste mit Haushofers eigener Lebensgeschichte. Am 23. April 1945, wenige Tage vor der deutschen Kapitulation, wurde er im Gefängnis Moabit als Staatsfeind hingerichtet. Zeugnis seiner großen, durch Haft und äußere Ohnmacht geschulten, Humanität sind seine "Moabiter Sonette", der wohl beeindruckendste Lyrik-Zyklus des deutschen Widerstandes. Seine weitgehend vergessenen Dramen haben allerdings in gleicher Weise nichts an Gültigkeit eingebüßt: Gibt es denn ein Land auf dieser Erde, in dem nicht irgendwo ein "Drachenthron" steht?


Karten ab Montag, 8. März 2004 zu 5.- € (ermäßigt 3.- €) über das Sekretariat der Schule (Telefon 0821/324-18500) und an der Abendkasse.


Kennen Sie andere deutsche China-Dramen? Etwa Schillers "Turandot" oder Brechts "Guter Mensch"? Haushofers China-Perspektive bietet dazu manchen neuen Blickwinkel und lädt ein, dieses "China" ganz nah bei uns zu suchen. Entdecken lässt sich der politische Dichter Albrecht Haushofer auch in seiner formstrengen Lyrik, etwa dem Sonett "Untergang":

Wie hört man leicht von fremden Untergängen,
wie trägt man schwer des eignen Volkes Fall!
Vom Fremden ist's ein ferner Widerhall,
im Eignen ist's ein lautes Todesdrängen.

Ein Todesdrängen, aus dem Hass geboren,
in Rachetrotz und Übermut gezeugt -
nun wird vertilgt, gebrochen und gebeugt,
und auch das Beste geht im Sturz verloren.

Dass dieses Volk die Siege nicht ertrug -
die Mühlen Gottes haben schnell gemahlen.
Wie furchtbar muss es nun den Rausch bezahlen.

Es war so hart, als es die andern schlug,
so taub für seiner Opfer Todeklagen -
Wie mag es nun das Opfer-Sein ertragen…

Letzte Änderung dieser Seite:
26.03.2004 16:19:51 Uhr

 
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