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Der Kleine Goldene Saal in Augsburg
Prof. Franz Bernhard Weißhaar
Vortrag
Der Kleine Goldene Saal
in Augsburg
eine
AULA REGIA
der Stephaner
in Verbindung mit
ECCE VIRGO
einer musikalisch-literarischen Betrachtung
des Deckenfreskos
durch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums
Einstudierung und Leitung:
Matthias Ferber und Ulrich Graba
Hochwst. Herr Abt, Herr Oberstudiendirektor, verehrte Damen und Herren,
liebe Freunde von St. Stephan, liebe Alt- und Jungstephaner!
Der Kleine Goldene Saal
in Augsburg
eine AULA REGIA der Stephaner
soll das Thema dieses Abends sein.
Ja, Aula Regia darf man mit vollem Recht den Saal nennen, in dem wir uns heute hier zusammengefunden haben, denn der Gunst König Ludwigs I. von Bayern danken die Stephaner die Rechte auf diesen ihren Festsaal, wie es die Inschrift über der rechten östlichen Saaltür bezeugt.
Mehr noch erweist sich dieser Saal als königlich in der Vision im Deckengemälde, die als der Ratschluss der Erlösung König Achas von Juda und uns Spätgeborenen gewährt wird.
Nach einer in vieler Hinsicht brillant gelungenen Konservierung und Restaurierung erscheint der Saal in einer von unserer Generation noch nie gesehenen Pracht und Gestaltenfülle. Die Zeit der Unzugänglichkeit ist vorbei und die jungen Stephaner können ihr altes Recht, hier Feste zu feiern, wieder wahrnehmen. Und sie sollen es auch tun und diesen herrlichen Raum mit Musik, Inszenierungen und Festakademien wieder beleben. Denn der Saal ist für die Jugend geschaffen.
Mit seiner von angesehenen Künstiern des süddeutschen Rokoko bravourös inszenierten Thematik wollten die Jesuiten von St. Salvator im 18. Jh. die Schüler ihres Gymnasiums festlich gestimmt heranfahren an die von den Propheten des Alten Bundes gescheuten Bilder von Gottes rettendem und Heil stiftendem Handeln.
Als Kongregationssaal konzipiert
Die Erweiterung und Neugestaltung des Saales der Congregatio Latina Maior Beatae Mariae Virginis ab angelo salutatae war ein Jubiläumsentschluß und eine Festgabe. Bei der Benediktion 1764 am Nikolaustag waren gerade 175 Jahre vergangen seit die Marianische Kongregation am katholischen Gymnasium in Augsburg gegründet und der Congregatio Primaria am Collegium Romanum durch eine vom Jesuitengeneral Claudius Aquaviva am 15. Juli 1589 unterzeichnete Urkunde angegliedert worden war. Dieses kostbar gestaltete, in vergoldeter Kapsel verwahrte Dokument hatte Jahrhunderte und sogar die Aufklärung und Säkularisation überdauert, bis es in der Bombennacht 1944 in St. Stephan zu Grunde ging.
Denkt man an die repräsentativen Bauten von Jesuitenniederlassungen in anderen Städten, so erscheint die beengte Situation des einstigen Kollegs St. Salvator in Augsburg dem Anspruch des Ordens wenig gemäß.
Stadtplanerisch gesehen freilich waren die Jesuiten die letzten, die Gebäude für ihre Gesellschaft innerhalb der Mauern errichten wollten. Die Südspitze der Reichsstadt war beherrscht von der Benediktinerabtei St. Ulrich und Afra, die Ostflanke besetzten diverse Pfründen, darunter das Heilig-Geist-Spital und die Jakobspfründe, die Dominikaner und Franziskaner hatten hier Niederlassungen. Markante Positionen innerhalb der Stadt nahmen die drei Augustiner-Chorherrnstifte St. Moritz, Heilig-Kreuz und Sankt Georg ein. In der nördlichen Vorstadt außerhalb der Domstadtmauer lag das adelige Damenstift St. Stephan und das Kloster der Karmeliten. Wo also wäre noch für ein repräsentatives Kolleg der Gesellschaft Jesu in der Oberstadt Baugelände zu finden gewesen? Aber das Interesse, dem protestantischen Gymnasium bei St. Anna ein katholisches Gymnasium und Lyzeum entgegenstellen zu können, war mächtig und die in Dillingen residierenden Augsburger Fürstbischöfe und das Haus Fugger betrieben mit Eifer die Errichtung eines Jesuitenkollegs, denn nur so konnte der katholischen Sache im paritätischen Augsburg neuer Aufschwung gegeben werden.
Das Jesuitengymnasium St. Salvator
Das der Gesellschaft Jesu für das neue Kolleg verfügbare Gelände reichte gegen Norden bis an die Straße"Auf dem Kreuz". Schon seit 1559 waren Patres der Gesellschaft Jesu in Augsburg anwesend, ihr prominentester Vertreter war der Domprediger Petrus Canisius. Endlich, 1581, fand die Grundsteinlegung für St. Salvator statt. Von nun an ging es Schlag auf Schlag: 1582 Eröffnung des Gymnasiums mit 132 Augsburger Schülern - bis 1618 waren es bereits 600. Die Schule bestand aus Gymnasium, Lyzeum und dem theologischen Seminar. Den Lehrkörper bildeten 17 Patres und 6 Magister, denen 9 Laienbrüder zugeordnet waren. 1584 konnte die Kirche, ebenfalls mit Fassade zur Jesuitengasse hin, geweiht werden. 1590 endlich entstand auch in Augsburg für die Schüler des Gymnasiums eine Marianische Kongregation unter dem Titel "Mariae Verkündigung", die bis heute bei St. Stephan fortbesteht und seit der Namensänderung 1967 als "Gemeinschaft Christlichen Lebens" (GCL) bekannt ist. Das neue Marienlexikon charakterisiert die Marianischen Kongregationen als "kirchliche Gemeinschaften, die ihre Mitglieder zu eigenem geistlichen Wachsen und apostolischem Wirken in Kirche und Weit formen". Diese Gemeinschaften waren nicht wie ein Dritter Orden an die Gesellschaft Jesu an- oder eingebunden, sondern bildeten eigene Rechtstitel und besaßen eigenes Vermögen. Der Präses war jeweils ein Priester der Gesellschaft Jesu,
während das übrige Leitungsgremium aus den Laienmitgliedern gewählt wurde.
Als eigene Versammlungsräume wurden in den Jahrzehnten nach ihrer Gründung Säle aquiriert oder gebaut und meist anspruchsvoll ausgestattet, um für die unterschiedlichen Veranstaltungen einen würdigen Rahmen zu schaffen.
In Augsburg wurde im Haus östlich der Salvatorkirche in der Kohlergasse (jetzt Jesuitengasse) im 2. Obergeschoß ein solcher Saal eingerichtet - er war etwa halb so lang wie dieser jetzige Kleine Goldene Saal. Auch der frühere Kongregationssaal hatte Deckenmalerei, was erst jüngst bei Öffnungen zur Untersuchung zur Statik und zur Schadensbehebung festgestellt wurde.
Die Ausgestalltung des Kongregationssaales
1763 erwarb die Kongregation das östlich anliegende Wohnhaus. Damit war die Voraussetzung geschaffen, den Kongregationssaal in der Längsachse zu verdoppeln. Erst die Bauuntersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, wie damals zu Werke gegangen wurde, um den Fassadenknick, der der Straßenschwingung folgt, im inneren Längsraum auszuschalten und zugleich durch leichte Schrägstellung der Altarwand die gute Akustik des großen Saales zu gewährleisten. Mit von den Stukkatoren zwischen die Fenster gestellten grauen Stuckmarmorpilastern wird der Längsraum gegliedert und die Korrekturen des Südwandverlaufes durch Verbreiterung der Fensterlaibungen überspielt.
Innerhalb von zwei Jahren wurden die beiden Häuser - damaliger Übung entsprechend - durch einen einheitlichen Dachstuhl zusammengefügt, und der Saalraum erhielt einen Steinboden aus Solnhofer Platten. Nach neuesten Erkenntnissen wurde auf die altvorhandene Decke eine bis zu 6 cm dicke Mörtelschicht aufgeputzt, um für den Freskanten Matthäus Günther und den Stuckator Johann Michael Feichtmayer einen - wie man glaubte - stabilen Haftgrund zu schaffen. Dies freilich sollte sich schon bald als Irrtum erweisen und beschäftigte bis vor kurzem die Statiker und Restauratoren. Jetzt nach gelungener Konservierung können wir das Anstimmen von Klageliedern getrost beenden, treffen wir doch nicht Jeremias im Deckenbild an, sondern den Propheten Jesaia. Es muss, so viel kann man - auch wenn keine schriftlichen Notizen darüber bekannt sind - aus der puren Anschauung des Hauptbildes an der Saaldecke erschließen, ein geradezu kongenialer Dialog zwischen den Auftraggebern und Matthäus Günther stattgefunden haben. Nur so konnte sich die farbig-formale Schöpferkraft des Künstlers mit der theologischen Botschaft zu dieser inspirierten Bildverkündigung verbinden.
Der Maler Matthäus Günther war, als er den Auftrag für die Deckenmalerei im Kongregationssaal in Augsburg erhielt, bereits 58 Jahre alt und seit einem Jahr Direktor der Reichsstädtischen Akademie als Nachfolger des verstorbenen Johann Georg Bergmiller. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Günther 1763 die blutjunge Witwe seines Stuckateurfreundes Georg Üblher, die 22 jährige Maria Scholastika, eine geb. Raffler. Er konnte längst auf ein umfangreiches bildkünstlerisches Oeuvre zurückblicken. Neben zahlreichen Arbeiten in Kloster- und Dorfkirchen hat er die Deckengewölbe von Neustift bei Brixen, im Prämonstratenserstift Rottenbuch, in Herrgottsruh bei Friedberg, in den Abteikirchen von Amorbach, Fiecht und Wilten bei Innsbruck und 1761-63 Rott am Inn freskiert. Mythologisch-allegorische Bildthemen hatte er vor allem im Auftrag des württembergischen Herzogs Carl Eugen zwischen 1754 und 58 im Neuen Schloss in Stuttgart gestaltet, die den Bränden von 1762 und 1944 zum Opfer fielen.
Das Deckengemälde
In unserem Augsburger Kongregationssaal gibt Günther zum Auftakt für die orthogonal angelegte Szene des Deckengemäldes einem Engel gleichsam den Auftrag, den schweren grün-dunklen Vorhang hochzuraffen und damit den Blick auf das Bild des göttlichen Erlösungsratschlusses freizugeben. Revelatio - Entschleierung, Offenbarung geschieht hier auf anschaulichste Weise, und im Kontrast zur Dunkelheit der Draperie erscheint in somma luce, im höchsten Licht, die Allerheiligste Dreifaltigkeit inmitten musizierender Engelsscharen. Auf heller Wolke kniet Gabriel zu Füßen Gottes des Vaters. Der Erzengel der Verkündigung, bekleidet mit goldener Stola und rotem Mantel, schaut unverwandten Gesichts die Gottheit des künftigen Erlösers. Mit der rechten Hand weist er hin auf die heilige Jungfrau, die Immaculata, die von Putten getragen über der Mondsichel steht, sonnenumstrahlt und sternenbekränzt, eine lieblich-holdselige himmlische Erscheinung. Zu ihrer Rechten halten Engel einen gekrönten Schild mit dem Namen Mariens.
Die terrestrische Zone des großen, die Himmel auftuenden Deckenbildes entfaltet Günther an der östlichen Schmalseite und den Längsseiten. Auf der steinernen Brücke tritt der Prophet Jesaia, begleitet von seinem Sohn Schearjaschub dem König Achas von Juda und Jerusalem entgegen, um ihm die weit über die Probleme der aktuellen Tagespolitik hinausreichenden heilsgeschichtlichen Perspektiven im Auftrag Gottes kund zu tun. Doch ist dem König nicht gegönnt, unverwandten Blickes den Immanuel und seine Mutter zu schauen. Ein Engelpaar fängt ihr Bild im Spiegel ein und projeziert es auf den Vertreter des Hauses David, König Achas, der dabei ist, seine Verteidigungstruppen zu inspizieren und sich um die Wasserversorgung der Stadt im Belagerungsfall zu kümmern. Auf erhöhter Bastion zur Rechten treten die beiden Könige, die Achas zum Bündnis gegen Assur gewinnen wollen, auf. In weiterer Ferne sind feindliche Heere zu erkennen. Auf der linken Seite des Bildes sind bei einem Schöpfrad Wäscher und Walker am Werke. Die Schauseite des keilförmigen Gewölbeschlusssteines der unteren Brücke trägt die Inschrift "ECCE VIRGO CONCIPIET - Isaias C. VII" - siehe die Junge Frau wird empfangen - und verweist mit diesem Prophetenwort auf den kanonischen Titel der Kongragation von der Verkündigung an Maria.
In der Annahme, dass die den Hintergrund des 7. Jesaia-Kapitels bildenden politischen Implikationen um das Jahr 736 v. Chr. nicht allgemein bekannt sind, erlaube ich mir, diese kurz zu erläutern: Der König von Damaskus, Razon und der König des Nordreiches Israel bemühten sich, den jungen König von Juda in Jerusalem zu einem Bündnis gegen Assyrien zu gewinnen. Da dies nicht gelang, wollten sie Achas entmachten und den Thron in Jerusalem mit einem ihnen ergebenen Mann besetzen. Jesaia beschreibt die Situation treffend wie folgt: "Da zitterte das Herz des Königs und das Herz seines Volkes wie die Bäume des Waldes im Winde zittern." König Achas fühlte sich den Angreifern, die ihm sein Königtum entwinden wollten, nicht gewachsen und rief die Assyrer aus dem Zweistromland zu Hilfe. Das Bündnis mit Assur jedoch hatte Folgen für den Tempelkult in Jerusalem. Achas ließ mit Rücksicht auf Tiklad Pileser, den König von Assyrien, der in Damaskus weilte, einen Altar nach assyrischem Vorbild im Tempel von Jerusalem errichten und brachte auf ihm Opfer dar. Der Prophet aber ermahnte den König zum Festhalten am überlieferten Kult und am Jahwe-Glauben. Er gab die Fristen bekannt, wann die Gegner des Königs vom Gang der Ereignisse hinweggefegt werden.
Als historisch-kritische Anmerkung sei mitgeteilt, dass der Thronerbe des Achas, auf den sich die Prophezeiung aller Wahrscheinlichkeit nach unmittelbar bezog, König Hiskia war, von dem es im 2. Buch der Könige heißt, "der Herr war mit ihm" (2 Kö 18,7). Auch er war ein "immanuel", ein Gott-mit-uns.
Als erster hatte der Evangelist Matthäus die Jesaia-Weisagung für die Geburt Jesu Christi in Anspruch genommen und ihm folgend die Theologen aller Jahrhunderte bis herauf zu den Bauherrn des Kleinen Goldenen Saales. Maria ist die Virgo, hebräisch die"almah", die den Immanuel Jesus zur Welt bringt.
Elf Mal hat Matthäus Günther Maria als die Immaculata in Weiß und Blau gekleidet, auf Wolkengebirgen stehend, dargestellt und es wurde jedes Mal eine Huldigung an die Gottesmutter und ein Fest von Formen und Farben.
Mit breitem Pinsel setzt Günther sicher und zügig die Farben auf, mal lasierend, mal pastos, häufig in starken Komplementärkonstrasten, von den Hauptfiguren in Braun-Rosa-und kühlen Grauvaleurs in Raumtiefen führend. Günther ist Regisseur: seine Landschaften und Bauten sind Bühnenbilder, in denen seine Figuren und Figurengruppen auftreten. Raffiniert setzt er den Spiegel ein, um beispielsweise einen Strahl in Zick-Zack-Bahn auf den Adressaten zu lenken, ohne damit die Bildkomposition zu spalten. Günther verliert bei der Arbeit am Detail nie den Zusammenklang der großen Komposition und doch scheint er sich manchmal in ein ihm wichtig erscheinendes Objekt zu verlieben, dem er dann alle Sorgfalt zuwendet, so z.B. dem mit Saphiren und Perlen besetzten Kronenturban des Königs oder der mit Rosen und Lilien besetzten Krone über dem Schild des Mariennamens, die an den Blumenkranz des Wessobrunner Gnadenbildes erinnert, das einst ein Malermönch in Prüfening gemalt hat und das unter dem Titel "Mutter der Schönen Liebe" in vielen Kopien in Bayern und Schwaben große Verbreitung und Verehrung fand.
Die Bilder in den vier Ecken
Die Ecken der Saaldecke hat Günther in Zusammenwirken mit seinem Stuckator Johann Michael Feichtmeir mit solchen Bildkartuschen besetzt, in welchen ergänzend zum großen Marienthema des Hauptbildes die Hingabe und Weihe der Mitglieder der Kongregation an Maria erkannt werden kann. In dem linken östlichen Kartuschenbild verehrt der Förderer und Sodale der Kongragation, Fürstbischof Joseph I., Landgraf von Hessen-Darmstadt mit seinem Hofstaat Maria als die ‚Virgo prudentissima'. Ihr assistieren zwei allegorische Gestalten, die Divina Providentia mit der Fackel des Geistes und der Schlange als Zeichen der Klugheit, rechts die Eruditio mit Buch und Geistflamme. Ein Genius stößt in die Posaune der Fama und kündet den Lobpreis Mariens. |
Im rechten Bild huldigt der Magistrat der Reichsstadt Augsburg Maria unter der Anrufung der Lauretanischen Litanei: Du Spiegel der Gerechtigkeit - ,speculum justitiae'. Umgeben ist Maria von Allegorien der Fortitudo, der Rechtsprechung und der Exekutive. Aber auch der Korb voll brennender Herzen darf in einem Andachtsbild des Rokoko nicht fehlen. |
In der Süd-West-Ecke des Saales über der Empore sind Studenten der ,Artes liberales' um Maria als den Thron der Weisheit versammelt mit ihren markanten Instrumenten, die sich fast sämtlich noch heute in der physikalischen Sammlung bei St. Stephan erhalten haben. Als wahres Gegenbild zu den wenig akademischen Eifer bekundenden Studenten erscheint die jugendliche Maria auf dem Thron, flankiert von ihren Assistentinnen. Das grün gekleidete Mädchen rechts trägt Füllhorn, Ölzweig und ein Universitätsszepter. Möglicherweise ist damit ein Hinweis auf die von den Jesuiten getragene Universität in Dillingen zu sehen. Links steht eine geflügelte Frauengestalt, die als Gottesfurcht gedeutet wird, denn Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn, initium Sapientiae timor Domini (Ps 111, 10 und Spr 1,7). |
Die vierte Kartusche, rechts über der Empore, zeigt einen Sterbenden, dem Maria zu Hilfe eilt. In der Hand hält er ein Stück Papier, auf dem geschrieben steht: "Nec me deseras in hora mortis" - Verlass mich nicht in der Stunde des Todes. Ein Priester der Gesellschaft Jesu betreut den Kranken und reicht ihm die Sterbekerze. Zur Linken schleudert ein Engel aus St. Michaels Gefolge den Blitzstrahl auf einen herabfahrenden Teufel. Dem Sterbenden aber bedeutet die Gottesmutter die Pforte zum ewigen Leben - "Janua coeli" steht unter dem Bild zu lesen. |
Wie auch immer die Sitzordnung im Saal zu verschiedenen Festen gewesen sein mag: die Schauseite war die Ostwand mit der von Säulen und Pilastern flankierten Nische, den beiden Portalen und Inschriftentafeln zwischen Stuckmarmorpilastern. Hier stand eine Altarmensa mit Tabernakelaufsatz aus vergoldetem Kupfer mit reichem Silberrankenwerk und einem Relief, das die Verkündigung an Maria darstellte.
Hier werden nun die jungen
Stephanerinnen und Stephaner
in Gesängen und Dichterworten
die Botschaft vom Emmanuel
in der Neuen Heilszeit
erleben lassen.
Die Bilder sind der Brochüre Der Kleine Goldene Saal der Stiftung Kath. Studienfonds entnommen. Die Originalaufnahmen dafür stammen von Achim Bunz, München, der die Veröffentlichung dankenswerter Weise gestattete.
Bibliographie
Augsburger Stadtlexikon. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Recht, Wirtschaft.
Augsburg: Perlach-Verl. 1985.
Bauer, Hermann, Bernhard Rupprecht: Corpus der barocken Deckenmalerei
in Deutschland. 1: Freistaat Bayern - Regierungsbezirk Oberbayern: Die
Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. München
1976.
Bauer, Hermann: Barocke Deckenmalerei in Süddeutschland.
Photographische Aufnahmen: Wolf-Christian von der Mülbe. München 2000.
Braun, Placidus: Die Domkirche in Augsburg und der hohe und niedere
Clerus an derselben. 1-2. Augsburg: Schlosser 1829.
Der Kleine Goldene Saal. Denkmal und Stiftungsgeschichte. Anlässlich der
Restaurierung der Raumschale hrsg. von der Stadt Augsburg. Augsburg
2002.
Der Kleine Goldene Saal. Stiftung Kath. Studienfonds, vertreten durch die
Stadt Augsburg.
o.J. [Postkartenmappe]
Matthäus Günther. 1705-1788. Festliches Rokoko für Kirchen, Klöster,
Residenzen. Gedächtnisausstellung. Städtische Kunstsammlungen Augsburg.
München: Klinkhardt & Biermann 1988.
Rolle, Theodor: "Zur Geschichte von St. Stephan. - Der Kleine Goldene
Saal." In: Stephania. 59 (1987), 39-56.
Rolle, Theodor: "Die Geschichte der Augsburger Marianischen Kongregation.
Vortrag." In: Stephania. 61 /1989), S. 47-61.
Rom in Bayern. Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten. Hrsg. von
Reinhold Baumstark. München: Hirmer 1997.
Weißhaar, Franz Bernhard: "Kleines Bildarchiv zur Baugeschichte von St.
Stephan." In: Ad sanctum Stephanum 969-1969. S. 71-136.
Weißhaar, Franz Bernhard: "Matthäus Günter und der Kleine Goldene Saal in
Augsburg. 1765 - 1965." In: Stephania. 37 (1965/65), S. 12-17.
Letzte Änderung dieser Seite: 22.04.2005 20:13:13 Uhr
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